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Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Dienstsport

Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit von Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamten (PVB) durch Dienstsport

 

1. Ziele

Die Aufgaben im Polizeivollzugsdienst erfordern ein überdurchschnittliches körperliches Leistungsvermögen. Bürgerinnen und Bürger sowie der Dienstherr haben Anspruch darauf, dass alle PVB diese Grundvoraussetzung erfüllen. Den Folgen der demografischen Entwicklung und den besonderen Anforderungen des Polizeivollzugsdienstes muss Rechnung getragen werden. Daraus ergibt sich für PVB die Pflicht, das zu Beginn der Ausbildung vorhandene körperliche Leistungsvermögen und das darüber hinaus erworbene besondere körperliche  Leistungsvermögen durch kontinuierliches Training innerhalb und außerhalb der Dienstzeit sowie einer gesunden Lebensführung so weit wie möglich zu erhalten. Dienstsport ist wesentlicher Bestandteil des Behördlichen Gesundheitsmanagements der Polizei (BGMPol NRW).

Für die Gewährleistung der erforderlichen körperlichen Leistungsfähigkeit sind alle PVB in erster Linie selbst verantwortlich. Die Polizeibehörden unterstützen ihre Beschäftigten und bieten dazu entsprechende Trainingsangebote an. Es sollen insbesondere die theoretischen Inhalte und praktischen Übungen vermittelt werden, die die PVB in die Lage versetzen, auch außerhalb der Dienstzeit zu trainieren und zu erkennen, dass körperliches Training in erster Linie auch der eigenen Gesundheit dient. Körperliche Leistungsfähigkeit und Stressstabilität sind die Grundlagen für ein erfolgreiches polizeiliches Einschreiten und eine erfolgreiche Teilnahme am „Einsatztraining 24“.

Ergänzend soll im Rahmen des Dienstsports durch Gesundheits- und Präventionsmaßnahmen bei den PVB der nachhaltige Anstoß für eine gesunde Lebensführung gegeben werden.

 

2. Verantwortlichkeit von Führung

Die Förderung und der Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit für die besonderen Erfordernisse des Polizeidienstes ist auch Führungsaufgabe. Es ist Verpflichtung aller Vorgesetzten (Behördenleitung und Führungskräfte), auf die erforderliche Leistungsfähigkeit der PVB hinzuwirken und sie zu sportlicher Betätigung innerhalb und außerhalb der Dienstzeit zu motivieren.

Hierbei können sie sich durch qualifiziertes Personal, ggf. auch externes, unterstützen lassen.

Der Vorbildfunktion von Vorgesetzten kommt eine besondere Bedeutung zu.

 

3. Leistungsnachweise

3.1 Altersgrenze

Alle PVB haben vor Vollendung des 55. Lebensjahres im Rhythmus von zwei Jahren ihre körperliche Leistungsfähigkeit nachzuweisen. Nach Vollendung des 55. Lebensjahres können PVB ihre körperliche Leistungsfähigkeit auf freiwilliger Basis nachweisen.

 

3.2 Nachweis

Die körperliche Leistungsfähigkeit wird durch den Erwerb des Deutschen Sportabzeichens (DSA)[1] nachgewiesen. In den fünf Leistungsgruppen werden motorische Grundlagen wie Ausdauer, Schnell- und Sprungkraft, Schnelligkeit sowie die allgemeine Schwimmfähigkeit geprüft. Die Bedingungen sind alters- und geschlechtsabhängig gestaffelt. Es kann außerhalb (Sportvereine, Sportabzeichentreffs der Stadt- und Kreissportbünde, Volkshochschulen usw.) und innerhalb des Dienstes erworben werden.

Alternativ kann die körperliche Leistungsfähigkeit durch den Erwerb des Europäischen Polizei-Leistungsabzeichen (EPLA)[2] oder durch Ablegen des Leistungstests der Polizei NRW[3] nachgewiesen werden. Diese Leistungsnachweise können nur innerhalb des Dienstes erworben werden.

 

4. Maßnahmen bei nicht ausreichender Leistungsfähigkeit

PVB, die die Leistungen nicht nachweisen und/oder die auf Grund fehlender körperlicher Leistungsfähigkeit Standards des Einsatztrainings 24 nicht erbringen können, erhalten die Möglichkeit, während der Dienstzeit an einer Förderung (Förderprogramme) der körperlichen Leistungsfähigkeit teilzunehmen.

 

PVB, die die Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von vier Jahren nicht nachweisen, sind zur Teilnahme an den Förderprogrammen verpflichtet.

 

4.1 Förderprogramme

Die erste Feststellung eines Mangels an körperlicher Leistungsfähigkeit kann insbesondere getroffen werden durch:

 

  • eigene Einschätzungen der Beamtin/des Beamten
  • Erfahrungen durch Vorgesetzte
  • Nichtablegen von Leistungsnachweisen
  • Beobachtungen des Trainerpersonals „Einsatztraining 24“
  • Feststellungen der Polizeiärztin/des Polizeiarztes.

 

4.1.1 Ziel der Förderprogramme

Die PVB, die die erforderliche körperliche Leistungsfähigkeit nicht besitzen, sollen so angeleitet werden, dass sie die Notwendigkeit regelmäßigen Trainings erkennen und in die Lage versetzt werden, selbstständig so Sport zu treiben, dass der Leistungsnachweis (Nr. 3.2) erbracht werden kann.

Die Förderprogramme sind deshalb so zu gestalten, dass sie das jeweilige Leistungsniveau der PVB berücksichtigen.

 

4.1.2 Trainingsberatung

Die dienstlich angebotenen Förderprogramme stellen die Basis dar. Gefordert ist jeder Einzelne, die vermittelten Inhalte auch in der Freizeit umzusetzen. Daher erfolgt in den Förderprogrammen in erster Linie eine Trainingsberatung in Form von z.B.:

 

· Theorievermittlung der Trainingsgrundsätze

· Grundlagenvermittlung für die Anwendung der konditionellen

Trainingsmodule Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordinati-

onsvermögen

· Beratung in der Auswahl der Sportarten

· Beratung zur gesunden Lebensführung (Ess-, Trink-, Rauch- und

Schlafverhalten)

· Durchführung von individuellen Leistungsanalysen

· Erstellung und Bereitstellung von leistungsangepassten Trai-

ningsplänen

· Trainingsanleitungen (insbesondere bei der Vermittlung von

Techniken).

 

Weitergehende Informationsgespräche sollen systematisch über die Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufklären.

 

5. Sportangebote
Die Polizeibehörden unterstützen ihre Beschäftigten, indem Sportangebote zur Verfügung gestellt werden. Dieses soll möglichst über Kooperationen mit Sportvereinen oder vergleichbaren Institutionen erfolgen.

 

Als polizeiförderliche Sportarten gelten

· die Sportarten des Deutschen Sportabzeichens (Kategorie 1-5),

· zielorientierte Grundlagenförderung (Förderprogramme) sowie

· die Sportarten des polizeilichen Wettkampfprogramms.

 

6. Zeitkontingente

Der Dienstherr stellt allen PVB zur Gewährleistung der erforderlichen körperlichen Leistungsfähigkeit und Erbringen des Leistungsnachweises in der Regel dienstlich 36 Stunden pro Jahr (Teilzeitbeschäftigte anteilig) zur Verfügung. Die intern im Rahmen des Dienstsports geleisteten Stunden sind zu dokumentieren.

Die sportliche Betätigung kann auf Antrag auch außerhalb des Dienstes in Sportvereinen erfolgen, sofern es sich hierbei um eine polizeiförderliche Sportart i. S. der Nr. 5 handelt. Sportvereinen gleichzusetzen sind die Träger öffentlicher oder anerkannt privater Sporteinrichtungen (z.B. zertifizierte Fitness-Studios) oder Bildungseinrichtungen (Landes-, Kreis, Stadtsportbund, Volkshochschule). Die geleisteten Stunden sind einmal jährlich durch eine Bescheinigung des Sportvereines zu belegen. Eine darüber hinausgehende Beteiligung am Dienstsport ist möglich. Eine Anrechnung auf die Dienstzeit erfolgt dann aber nicht.

 

Weisen die PVB ihre körperliche Leistungsfähigkeit gemäß Nr. 3.2 nach, erfolgt höchstens alle zwei Jahre eine Zeitgutschrift in Höhe von 16 Stunden (Teilzeitbeschäftigte anteilig).

 

7. Gesundheitsprävention / Ärztliche Vorsorge und Sporttauglichkeitsuntersuchung

Die körperliche Leistungsfähigkeit hängt wesentlich von einer gesunden Lebensführung ab. Gesundheitsprävention und Gesundheitsmanagement kommen eine besondere Bedeutung zu. PVB haben die Möglichkeit, sich einmal jährlich im Rahmen der vorbeugenden Gesundheitsfürsorge durch die zuständige Polizeiärztin oder den zuständigen Polizeiarzt untersuchen und beraten zu lassen. Nach Erkrankungen und Verletzungen, die erfahrungsgemäß die Sporttauglichkeit beeinträchtigen und ab einem Lebensalter von 40 Jahren wird eine Untersuchung auf Sporttauglichkeit vor Erst- oder Wiederaufnahme von sportlichen Aktivitäten empfohlen.

 

Vor der Teilnahme an Maßnahmen, die vom Umfang oder der Belastung her über den Rahmen des allgemeinen Trainings der körperlichen Leistungsfähigkeit hinausgehen (z.B. Sportlehrgänge), ist eine Sporttauglichkeitsuntersuchung notwendig. Diese Untersuchungen werden durch die zuständige Polizeiärztin oder den zuständigen Polizeiarzt durchgeführt.

 

8. Schwerbehinderte PVB

Schwerbehinderte PVB oder Gleichgestellte können ihre Leistungsfähigkeit gemäß Nr. 3.2 nachweisen. Dabei können auf Wunsch der Betroffenen die Behinderungsklassen des Deutschen Sportabzeichens berücksichtigt werden. Auf Nr. 7 (1) Satz 4 wird hingewiesen.

 

9. Dienstunfallschutz
Eine sportliche Betätigung außerhalb des Dienstes in Sportvereinen
i. S. der Nr. 6 ist als dienstliche Veranstaltung im Sinne des § 31 BeamtVG anzuerkennen, wenn

 

  • die Antragstellerin bzw. der Antragsteller aktives Mitglied ist und
  • es sich um eine Sportart gemäß Nr. 5 handelt und
  • die dienstvorgesetzte Stelle der Ausübung dieses Sports vorher schriftlich zugestimmt hat und
  • der Sport unter Aufsicht einer von der dienstvorgesetzten Stelle bestimmten Person stattfindet oder unter Leitung einer Sportlehrerin oder eines Sportlehrers, einer Übungsleiterin oder eines Übungsleiters, einer Fachübungsleiterin oder eines Fachübungsleiters oder einer Trainerin oder eines Trainers, die/der eine gültige Lizenz eines Fachverbandes oder des Landessportbundes besitzt und die von der oder dem Dienstvorgesetzten anerkannt ist.

Dienstunfallschutz besteht auch auf dem Weg zum und vom außerdienstlich betriebenen Sport. Wettkämpfe, die im Vereinsinteresse ausgetragen werden, sind nicht als dienstliche Veranstaltung anzusehen.

 

10. Zentrale Fortbildungsstelle Polizeisport beim LAFP

Das LAFP unterstützt und berät die Polizeibehörden des Landes in allen Angelegenheiten des Dienstsports. Es plant das jährliche Fortbildungsprogramm für den Dienstsport, gewährleistet dessen Durchführung und unterstützt den Landespolizeisportbeauftragten bei seiner Aufgabenwahrnehmung.

 

11. Sportbeauftragte der Polizeibehörden

Bei der Planung und Durchführung in allen Angelegenheiten des Dienstsports wirken die Sportbeauftragten der Polizeibehörden mit.

Hierbei können sie sich durch die zentrale Fortbildungsstelle Polizeisport des LAFP NRW beraten und unterstützen lassen.

 

12. Polizeisportvereine
Der Dachverband der Polizeisportvereine Nordrhein-Westfalens e.V. unterstützt die Maßnahmen zum Dienstsport. Eine enge Kooperation mit den Polizeisportvereinen ist anzustreben. Aktivitäten der Polizeisportvereine für den Dienstsport wie auch bei sonstigen Maßnahmen zur Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei sind dienstlich zu unterstützen. Für die Arbeit im Sinne dieses Erlasses sollten ihnen Nutzungsrechte eingeräumt werden; Nutzungsentgelte sind dann nicht zu erheben.

 

13. Landessportbund NRW

Mit den örtlichen Sportabzeichenstellen der Kreis- und Stadtsportbünde des Landessportbundes NRW und den dem Landessportbund NRW angegliederten Sportvereinen ist eine enge und kooperative Zusammenarbeit anzustreben.

 

14. Controlling
Die Polizeibehörden berichten dem LAFP NRW zum 01.02. eines jeden Jahres für das vorausgegangene Jahr:

  • Anzahl PVB, die einen Leistungsnachweis erbringen müssen - ohne Bereitschaftspolizei, Spezialeinheiten, Personenschutz und Kommissarbewerber und -anwärter (Stichtag 31.12.)
  • Anzahl Leistungsnachweise (differenziert nach Art des Nachweises) im abgelaufenen Jahr gemäß Nr. 3.2
  • Praxiserfahrungen (z.B. besonders erfolgreiche Projekte)

 

15. Weitergehende Regelungen

Der Sport in der Ausbildung, für die Bereitschaftspolizei, die Spezialeinheiten und den Personenschutz wird gesondert geregelt.